Franz Kafka: Der Bau

Manche List ist so fein, dass sie sich selbst umbringt.

Ein unterirdischer Bau, ein vergeblicher Kampf um Schutz und Frieden. Immer elaborierter wird das System der Gänge, immer hinterhältiger die Fallen. Die Vorräte sind strategisch verteilt. Doch da draußen muss ein Feind sein. Ein Feind, der schon lange alles beobachten könnte, viel größer und mächtiger sein mag als man selbst. Kein Eingang ist wirklich sicher und niemandem kann vertraut werden. Was ist das für ein Geräusch?

In Franz Kafkas letzter und unvollendeter Erzählung kämpft ein Tier einen vergeblichen Kampf um die Perfektionierung seines riesigen Erdbaus, in dem es sich vor den Gefahren der Welt zu schützen sucht. Keine Verbesserung ist gut genug, keine Änderung bringt ausschließlich Vorteile, immer entsteht auch eine neue Gefahr. Schließlich taucht ein monotones und gleichbleibendes Geräusch auf, das sich jeglichem Zugriff entzieht. Das Tier ist besessen von diesem Geräusch und doch kommt es ihm nicht näher.

Play Bs Bearbeitung des klassischen Textes erforscht die Verwurzelung der von Kafka beschriebenen Paranoia in den infantilen Urängsten des Menschen: vom Trieb, eine Burg um sich zu errichten und Vorräte zu horten, bis zur eskalierenden Paranoia in der Isolation von der Außenwelt. Dabei stellt die Inszenierung Bezüge zu erschreckend gegenwärtigen Entwicklungen her. Der Bau ist 1923 entstanden. Er hätte auch heute geschrieben werden können.

Textbearbeitung und Regie Ingo Broggiato

Es spielten Kirsten Rusche, Shaheryar Shah

Premiere 26. August 2023